#ichbinso gelangweilt

Stell dir vor, du bist für ein paar Stunden alleine in einem Raum, in dem es weder TV noch Radio noch PC gibt. Du hast kein Handy, es gibt nichts zu lesen, nichts zu essn, du bist alleine mit dir und deinen Gedanken. Welche Gefühle tauchen spontan bei dieser Vorstellung auf?

Empfindest du Nichtstun als Segen oder eher als Strafe?

Langeweile führt in der Regel meist zu einem Gefühl des Unmuts. Ein Kind wendet sich an seine Eltern, ein Erwachsener versucht selbst, sich zu beschäftigen. Das funktioniert jedoch in beiden Fällen nur, wenn es sich um eine spontane und nicht permanente Langeweile handelt. Letztere führt zu einem Gefühl der Antriebs- und Lustlosigkeit. Auslöser kann z. B. ein monotoner Job sein, der keine Herausforderungen mehr bietet.

 Ein bisschen Langeweile schadet nicht!

Experten meinen, dass speziell Kindern sogar ab und zu fad sein soll – Langeweile sei wie eine Reset-Taste. Im besten Fall wird kreatives Potenzial freigelegt, das Kind sucht nach einer Beschäftigung und wird sich vielleicht sogar in ein Spiel, in eine Phantasie, in einen Traum verlieren. Diese „Auszeit“ ist nicht nur für Kinder wichtig. Sich selbst zu spüren, Gefühle freizulegen, einfach innezuhalten im Alltagstrott ist auch für Erwachsene wie ein kleiner „Sonderurlaub“. Leider haben es viele Menschen verlernt, mit sich allein zu sein. Nicht nur das, vielen macht dieser Gedanke regelrecht Angst. Die permanente Reizüberflutung lässt es kaum zu, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt. Viele Menschen können Stille nicht mehr ertragen, sie werden von regelrechter Panik erfasst, wenn sie keine Geräuschkulisse umgibt.

Gewonnene oder verlorene Zeit?

Langeweile wird oft mit verlorener, verschwendeter Zeit gleichsetzt. Verdruss, schlechte Laune, ein Gefühl von Sinnlosigkeit werden ebenso mit ihr verbunden, sie ist also durch und durch negativ besetzt. Wer im Kino einen absolut langweiligen Film ansieht, sich auf einer Party fadisiert oder eine subjektiv sinnentleert empfundene Veranstaltung besuchen muss, hat mit diesen Gefühlen sicher recht.

Wer jedoch Mußestunden nicht mehr genießen kann und rund um die Uhr „Action“ braucht, sollte darüber nachdenken, warum das so ist und sich einmal bewusst auf das Wagnis „Langeweile“ einlassen. Vielleicht wird so der Blick für das Wesentliche wieder geschärft, man entdeckt Dinge, die im Trubel untergehen. Das Leise, Stille ist oft mehr – gerade in unserer heutigen Zeit.

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