#ichbinso empathisch

Geht es dir auch manchmal so: In Auseinandersetzungen kommt man oft an einen Punkt, an dem man nicht mehr weiter weiß. Man fühlt sich unverstanden. Erst im Nachhinein fällt einem auf, dass es dabei grundsätzlich immer auf die selben Bedürfnisse rausläuft …

Hast du schon mal von dem Modell der „gewaltfreien Kommunikation“ (GFK) gehört? Es wurde von Marshall Rosenberg entwickelt und hat eine wertschätzende Kommunikation zum Ziel, die das Zusammenleben erleichtern soll. Es ist sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld anwendbar – überall dort, wo unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinandertreffen.

Die GFK soll dabei helfen, sich ehrlich und klar auszudrücken und empathisch (einfühlend) zuzuhören. Sie ist auf die eigentlichen Bedürfnisse und Gefühle gerichtet, die hinter Handlungen und Konflikten stehen. Bei der Einfühlung geht es nicht nur darum, sich in seinen Gesprächspartner einzufühlen, sondern auch in sich selbst.

Rosenberg nennt z. B. jede Form von Gewalt einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses. Soll heißen: Oft zeigt jemand nach außen hin Ärger und Wut, wenn eigentlich etwas anderes dahintersteckt, etwa Traurigkeit und der Wunsch nach Anerkennung. Wer lernt, diese dahinterlegenden Bedürfnisse zu erkennen, kann in Zukunft ganz anders damit umgehen und seinem Gegenüber verständlicher klarmachen, worum es einem geht.

Bitte statt Vorwurf

Rosenberg nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit sei, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind (z. B. wenn eine Anfrage als Bitte formuliert ist und nicht als Forderung).

Er legt dabei folgende ideale Reihenfolge fest:

  1. Beobachtung
  2. Gefühl
  3. Bedürnis
  4. Bitte

Das könnte in der Praxis z. B. so aussehen:

Du kommst am Abend von der Arbeit heim, dein WG-Freund hat den Tisch nach seinem Mittagessen nicht abgeräumt – nicht zum ersten Mal! Du könntest an die Decke gehen! Anstatt ihm vorzuwerfen, er sei schlampig und räume NIIIIE das Geschirr weg, könntest du nach der GFK folgenden Weg versuchen:

  1. Neutrale Beobachtung: „In der letzten Woche hab ich dreimal dein Geschirr weggeräumt, weil es am Abend, als ich heimkam, immer noch dortstand.“
  2. Gefühl: „Das frustriert mich …“
  3. Bedürfnis: „…weil ich es einfach gern aufgeräumt und sauber habe, wenn ich am Abend müde von der Arbeit heimkomme!“
  4. Bitte: „Können wir uns bitte gemeinsam etwas ausmachen, damit das nicht mehr vorkommt?!“

Dieses Modell erfordert viel Übung und Geduld, bis man es intus hat – aber es zahlt sich aus! Wenn wir mit der GFK dein Interesse geweckt haben, findest du im Handel unzählige Bücher zu diesem Thema!

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