Geschwister – Freunde oder Feinde?

Egal, wie du zu deinem Bruder/deiner Schwester stehst: Gleichgültig sind einem Geschwister nie. Gemeinsam in einer Familie aufzuwachsen, erzeugt eine Nähe, wie sie mit keinem anderen Menschen entstehen kann.

Rivalen ohne Ende oder dicke Freunde – alles ist möglich. Manchmal wechselt die Beziehung auch von einem Extrem ins andere. Es liegt jedoch in jeder Phase ein enormes Entwicklungspotenzial für beide – denn eins ist fix: Vom Bruder/von der Schwester kann man sich nicht trennen.

Konfliktlösung lernen

Der Konflikt wird ausgetragen bis zum bitteren oder süßen Ende. Ihr könnt viel von einander lernen! Zurückstecken und auch einmal der Sieger sein, Kompromisse finden, Verantwortung übernehmen, mit Frust und Enttäuschung fertig werden, fest gegen den Rest der Welt zusammenhalten … alles, was man fürs Beziehungsleben braucht, kann man mit Geschwistern trainieren. Keiner sonst sagt einem so schonungslos die Wahrheit, keiner sonst führt einen so schamlos hinters Licht, nur um einen kurzen Triumph auszukosten.

Beste Freunde – oft erst als Erwachsene

Im Erwachsenenleben kann es kaum einen treueren Freund geben als den Bruder oder die Schwester. Voraussetzung ist natürlich, dass die Konflikte, die es in jeder Familie gibt, halbwegs aufgearbeitet sind. Manchmal ist es schon ausreichend, sich ehrlich in die Position des Bruders/der Schwester hineinzuversetzen. Gerade unter Geschwistern gibt es oft zwei Wahrheiten – die des einen und die des anderen. Dieselbe Situation wird von beiden oft völlig unterschiedlich wahrgenommen. Auch hier bietet sich eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung – z. B. die Fähigkeit, eine andere Sichtweise stehen lassen zu können, das eigene Bild zu überdenken.

Wenn einen der Neid frisst

Das brisante Thema Geschwisterneid taucht auch in vielen Internet-Foren immer wieder auf. Davon ausgehend, dass die meisten Eltern sich bemühen, ihre Kinder gleich zu behandeln und zu erziehen, kann es trotzdem vorkommen, dass ein Kind einem Elternteil einfach näher steht als das andere. Kaum jemand wird außerdem verleugnen, dass ältere Geschwister die „Wegbereiter“ für die Jüngeren sind – was sie sich mühsam erkämpfen müssen, geht bei den Kleineren wie von selbst, oft einfach aus dem Grund, dass die Eltern mit jedem Kind lockerer werden. Oft wird auch dem älteren Kind die Verantwortung für das jüngere übertragen – was wiederum zu Konflikten führen kann. Die Jüngeren wiederum fühlen sich ständig benachteiligt, weil das ältere Kind Dinge bekommt und tun darf, die bei ihm selber noch auf der „No-go-Liste“ stehen.

Fest steht nur, dass in keiner anderen Beziehung Hass und Liebe, Nähe und Rivalität so nah beieinander liegen wie unter Geschwistern. Es ist die längste Beziehung im Leben eines Menschen und sie endet nie, selbst wenn man sich zerstritten hat. Geschwister beglücken, quälen und prägen einander!

Sir Peter Ustinov: „Die Kindheit ist die herrliche Zeit, in der man dem Bruder zum Geburtstag die Masern geschenkt hat.“

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